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2020-05-12

Arbeiten in Russland: Ein Expatriate erzählt - Interview bei Ostexperte.de am 22.01.2020

Für die Arbeit in die Ferne: Wie ist es, in Russland zu arbeiten und zu leben?
In dieser Serie erzählen uns Expatriates ihre Erfahrungen. Thomas Neumann von ArtelPro war vier Jahre Expat in Moskau – und berät heute Unternehmen für den russischen Markt.

Wie hat es Sie nach Russland verschlagen? Welchen Bezug hatten Sie vorher zu Land und Leuten?
1979 fuhr ich das erste Mal in die damalige Sowjetunion als Student. Am Kiewer Polytechnischen Institut studierte ich die Fachrichtung Diplomingenieur für elektrische Antriebstechnik.

Wie haben Sie Russisch gelernt? Was ist Ihnen schwer, was leichtgefallen?
Die russische Sprache erlernte ich seit der 5. Klasse als Fremdsprache. Das fiel mir nicht immer leicht. Als Studenten sagten wir damals, dass wir die ersten Jahre dann im Ausland sprachlich vor allem „überlebt“ haben. Ab dem dritten Studienjahr hatten wir dann die Fähigkeiten soweit ausgebaut, dass wir auch an der Grammatik arbeiten und die Schönheit der Sprache erschließen konnten.

Was mögen Sie an Russland und der russischen Kultur besonders?
Russland ist ein europäisches Land. Gleichzeitig ist Russland das größte Land der Erde und ein Vielvölkerstaat mit breit entwickelter Kultur. Das hat mich schon immer fasziniert. Aktuell arbeite ich an einem Vortrag über die 28 UNESCO-Welterbe-Stätten Russlands. Die Zuhörer werden viel über diese Kultur und die legendäre russischen Seele erfahren.  

Was fällt Ihnen manchmal schwer, wo sehen Sie Herausforderungen?
Eine echte Herausforderung ist die unterentwickelte Infrastruktur im direkten und im weiteren Sinn. Hier ist Langmut und Kompromissfähigkeit erforderlich. 

Leben Sie in Russland, bzw. wie oft sind Sie im Land? Welche Regionen mögen Sie besonders?
Seit 1994 fahre ich regelmäßig nach Russland. Vier Jahre arbeitete ich als Expat eines globalen Konzerns in Moskau. Bis auf den Fernen Osten konnte ich alle wichtigen Regionen kennenlernen. Besonders fasziniert haben mich und meine Frau die Solewetski-Inseln im Nordmeer.

Welche Eigenheiten der Russischen Kultur sehen Sie in Bezug auf die Arbeitswelt?
Kennzeichnend für alle Geschäftspartner ist das hohe Interesse an einer intensiven persönlichen Beziehung. Dies wird als Geschäftsvoraussetzung betrachtet. Gerade das macht die Arbeit hier für mich so besonders interessant.

Welche Stereotype hatten Sie, haben sich welche bewahrheitet?
Als geschichtsbewusster Deutscher fährt man nach Russland nicht ohne gewisse Unsicherheit. Zuviel schreckliche Dinge haben unsere Vorfahren diesem Land angetan. Umso beglückender ist es, die klare geschichtliche Perspektive ohne Vorwürfe und mit persönlicher Herzlichkeit zu erleben.

Was überrascht Sie im Land?
Überraschend sind vor allem die Menschen. Manchmal außerhalb jeglicher Komfortzone genießen sie das Leben und gemeinsam verbrachte Zeit. Gleichzeitig überrascht die junge Generation mit einer Leichtigkeit bei der Nutzung moderner Kommunikation, mit Kreativität und Selbstbewusstsein.

Was empfehlen Sie anderen, die Fuß in Russland fassen wollen?
Seien Sie offen für andere Sichtweisen und bereit, auch persönliche Beziehungen zuzulassen. Auch wenn es nach Eigenwerbung „riecht“: Nutzen Sie Expertise im Interesse der Synchronisierung der Geschäftsmodelle beziehungsweise der „Ideen im Kopf“ – das hilft den Erfolg zu beschleunigen und Reibungsverluste zu minimieren.

Was arbeiten Sie genau, was macht Ihr Unternehmen?
ARTEL.Pro bieten die Leistungen einer klassischen Unternehmensberatung mit Fokus Russland. Das Ziel der Beratung besteht in der möglichst effektiven Erschließung der Geschäftspotentiale und der Minimierung der Risiken. Basis ist eine 25-jährige Markterfahrung besonders auf dem Gebiet des Bergbaus, der Metallurgie und verarbeitenden Industrie. Wir helfen aber auch russischen Unternehmen bei der Arbeit in Deutschland oder Europa.

Wie blicken Sie in die Zukunft, wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage ein?
Die wirtschaftliche Lage Russlands ist stabil. Viele hochinteressante Unternehmen sind an Kooperationen interessiert. Russland sucht seine neue Position in einer multipolaren Welt. Die russischen Unternehmen haben diese Position vielfach schon gefunden und möchten sich nun im globalen Wettbewerb behaupten. Mit der Vision eines einheitlichen Wirtschaftsraumes zwischen Lissabon und Wladiwostok ist ein sehr spannender Rahmen für gegenseitig vorteilhafte Kooperation innerhalb globaler Herausforderungen gegeben.

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Admin - 12:34:39 | Kommentar hinzufügen

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